Sie reflektiert den Zusammenhang von Technik und Gesellschaft (Seelmeyer & Kutscher, 2021, S. 20) und befasst sich mit der systematischen Verarbeitung von Informationen im Sozialwesen – von der technischen Konzeption und Umsetzung bis hin zur Evaluation. Dabei untersucht sie die Bedingungen, Wirkungen und Begleiterscheinungen des Technologieeinsatzes und übernimmt die fachliche Verantwortung für den Produktionsfaktor Information in sozialen Dienstleistungen und ihrem Umfeld (vgl. Wendt 2000: 20).
Trotz dieser Etablierung bleibt die Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Sozialinformatik rudimentär, ebenso wie die breite Anerkennung des Fachs, welches in Curricula bis dato kaum zu finden ist (Kreidenweis 2018). Der „IT-Report für die Sozialwirtschaft“, der seit fast 20 Jahren Entwicklungen dokumentiert (vgl. Kreidenweis & Wolff), zeigt konstant auf: Es gibt „Luft nach oben“. Zwar werden IT-Lösungen konsequenter genutzt (vgl. Kreidenweis & Wolff 2021: 18), doch dem Bedarf für eine engere fachliche Verschränkung wird bis dato kaum nachgekommen.
Frühe Debatten drehten sich um die Notwendigkeit und die Aufgaben der Sozialinformatik (vgl. Jurgovsky, 2002). Gegenwärtig beleuchtet die Sozialinformatik die Wechselwirkungen zwischen sozialer Wirklichkeit, Wahrnehmung, Deutungsmustern und beruflichen Entscheidungen in der Sozialen Arbeit. Sie gestaltet IT-Systeme, die soziale Dienstleistungen wirksam unterstützen sollen, und versucht passende technische und organisatorische Konfigurationen zu identifizieren. Sie hat den Anspruch soziale Organisationen strategisch beim digitalen Wandel zu begleiten – aktiv, kritisch und im Sinne benachteiligter Gruppen (vgl. Kreidenweis 2020: 21 f.).
Vor diesem Hintergrund setzt die DiMe-Sozial die Diskussion über das Verhältnis von sowie bestehende Hürden zwischen Sozialinformatik und Sozialer Arbeit fort. Für die Rubrik „Das Thema“ werden Beiträge gesucht, die innovative Ansätze, empirische Erkenntnisse, theoretische oder praxisbezogene Reflexionen zu Herausforderungen sowie organisationalen und infrastrukturellen Aspekten der Beziehung zwischen Sozialer Arbeit und Sozialinformatik vorstellen. Die Texte können eine oder mehrere Ebenen ansprechen und zwischen technischer sowie sozialarbeiterischer Perspektive oszillieren, wobei der Bezug zur Sozialen Arbeit stets klar erkennbar sein muss. Die folgenden Fragen dienen als Orientierung und sollen dazu anregen, sowohl praktische Herausforderungen als auch wissenschaftliche Perspektiven zu beleuchten:
- Welche Herausforderungen gibt es in der Zusammenarbeit zwischen Sozialer Arbeit und Sozialinformatik, welche Vorbehalte gibt es?
- Welche Strategien gibt es zur Zusammenarbeit zwischen Sozialer Arbeit und Sozialinformatik und wie könnten diese weiter ausgebaut werden?
- Was kann Soziale Arbeit von Sozialinformatik lernen? Welche Rolle kann ihr z.B. in Fragen der Technikfolgenabschätzung, der Mitwirkung in Entscheidungen oder bei Haftungsfragen im Einsatz von Technologien zugewiesen werden?
- Welche Themen können kooperativ besetzt werden, welche Kompetenzen sind in Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Sozialinformatik relevant?
- Wie ist das Verhältnis zwischen den beiden Disziplinen mit Blick auf Asymmetrien und Agency?
- Wie werden Fragen der Professionalität und der Profession im Verhältnis von Sozialer Arbeit und Sozialinformatik diskutiert?
- Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit beider Disziplinen in der Praxis, der Lehre oder der Forschung? Wo gibt es gemeinsame Vorhaben?
Hinweis: Für die Rubriken Aktuelle Entwicklungen in der Praxis, Lehre und Digitalisierung, Forschungsnotizen und Diskursraum können Sie unabhängig von der inhaltlichen Ausrichtung des jeweiligen Calls Beiträge einreichen.