Arbeitslosigkeit als Risikofaktor für psychische Gesundheit
Arbeitslosigkeit stellt nicht nur eine finanzielle, sondern häufig auch eine erhebliche psychische Belastung dar. Aufbauend auf dem etablierten Modell der latenten Deprivation von Marie Jahoda (1982) konnten Studien wiederholt zeigen, dass Arbeit weit mehr bedeutet als nur finanzielle Absicherung: Beschäftigung vermittelt Struktur, soziale Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit und Sinn – Faktoren, die eine wichtige Schutzfunktion für die psychische Gesundheit erfüllen (Modini et al., 2016; Paul et al., 2023; Van der Noordt et al., 2014). Der Verlust von Arbeit bedeutet daher nicht nur den Wegfall von Einkommen, sondern kann auch das Selbstwertgefühl beeinträchtigen, Stress verstärken und die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen. Entsprechend zeigen Studien, dass psychische Erkrankungen bei arbeitslosen Menschen deutlich häufiger auftreten als in der erwerbstätigen Bevölkerung (Virgolino et al., 2022; Yang et al., 2024).
Besonders problematisch ist dabei ein sich über die Zeit hinweg selbst verstärkender Teufelskreis (vgl. Abb. 1): Psychische Belastungen erschweren die Jobsuche, während anhaltende Arbeitslosigkeit die psychische Situation zusätzlich verschlechtert. Somit steigt die Gefahr für Langzeitarbeitslosigkeit und chronifizierte psychische Erkrankung. Menschen, die gleichzeitig unter Arbeitslosigkeit und psychischer Belastung leiden, benötigen daher gezielte Unterstützung, die über die reine Jobvermittlung hinausgeht. Genau hier können Jobcenter und Arbeitsagenturen eine wichtige Schlüsselrolle übernehmen, da sie häufig die erste Anlaufstelle darstellen (Audhoe et al., 2018; Santos et al., 2018). Trotz des großen Bedarfs gibt es bislang jedoch nur wenige Programme, die psychische Gesundheit und berufliche Wiedereingliederung gemeinsam in den Blick nehmen.
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